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Einer lückenlos funktionierenden Rettungskette verdankt ein Kurgast auf Rügen, nach durch Leichtsinn hervorgerufenen Schlangenbiss, ihr Leben

Rügen / Greifswald, 06. Mai 2013

Es war keine Übung.

Am sonnigen 1. Mai 2013 ging eine, mit ihrer 9-jährrigen Tochter und ihrem 6-Jährigen Sohn bei einer Mutter-Kind-Kur in Glowe weilende Frau aus Niedersachsen, in Strandnähe spazieren.
Im Dünenbereich entdeckten sie eine, ein wärmendes Sonnenbad nehmende, Schlange mit einem Zick-Zack-Band ähnelndem Muster auf dem Rücken.

In der Annahme, in Deutschland gäbe es keine Giftschlangen, betraten Sie den Dünenbereich. Die Mutter wollte die Schlange in die Hand nehmen um sie Ihren Kindern zu zeigen. Dabei biss die Kreuzotter zu.

Dünen sollten aus Küstenschutzgründen ohnehin nicht betreten werden, erfolgte nun die nächste Fehlhandlung – wie falsch in Spielfilmen zu sehen – saugte die Frau die Wunde aus.

Das Aussaugen kann schon bei kleinen Verletzungen der Mundschleimhaut zur Giftverschleppung führen.

Auf dem Rückweg zur Kurklinik setzten dann die Vergiftungserscheinungen und allergischen Reaktionen ein.

Sie erlitt einen Schock, Atemnot, Bewusstseinstrübung und Kreislaufprobleme. Der Arm und die Zunge schwollen an.

Der gerufene Notarzt verabreichte sofort die erforderlichen Medikamente und leitete weitere Behandlungen und den Transport mit einem Rettungshubschrauber in die Maximaltherapie bietende Universitätsklinik Greifswald ein.

Ohne diese ärztliche Hilfe wäre die Frau verstorben.

Kreuzottern gehören zu den gefährdeten Tierarten und stehen unter Naturschutz.

Sie sind sehr scheu und flüchten, wenn sie bemerken, dass sich ein Mensch nähert. Sie beißen nur zu, wenn Ihnen der Fluchtweg versperrt ist, man nach ihnen greift oder auf sie tritt.
Wenn man eine Kreuzotter entdeckt, sollte man ruhig stehen bleiben, damit die Schlange flüchten kann oder man sollte sich langsam entfernen.

In Deutschland kommt die Kreuzotter vor allem im norddeutschen Tiefland mit ausgeprägten Heidegebieten, im Bayrischen Wald, in den Alpen mit Vorland, in der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald und in den östlichen Mittelgebirgen vor.

Ab Oktober überwintert sie in Kältestarre in geeigneten Verstecken und kommt aus diesen im April oder Mai wieder hervor und nutzt die Frühlingssonne um sich zu wärmen.

Auf der Insel Rügen und der Insel Hiddensee kommt sie auf Waldlichtungen,

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vorwiegend in Heidegebieten und in den Feuersteinfeldern bei Mukran vor.
(Beim wandern bitte festes Schuhwerk tragen!)

(Die Feuersteinfelder Rügens sind eine Ansammlung mehrerer Feuersteinwälle, die vor ca. 4000 Jahren durch eine Serie von Sturmfluten angespült wurden. Das Feld ist ca. 2 Kilometer lang und 400 Meter breit. Sie liegen ziemlich genau zwischen Prora und Mukran, etwas abseits der Straße.)

Das Gift einer Kreuzotter ist zwei- bis dreimal stärker, als das einer Diamant-Klapperschlange.
Die vorrätige Giftmenge ist jedoch mit ca. 15 Milligramm gering, so dass der Biss einer Kreuzotter im Normalfall nur für Kinder, kranke Personen und ältere Menschen gefährlich ist.

Todesfälle aufgrund von  Kreuzotterbissen sind sehr selten.
In Deutschland sind von 1959 bis 2003 keine Todesfälle nach einem Kreuzotterbiss bekannt geworden.

Auch auf Rügen ereignen sich durch das scheue Verhalten dieser Tiere äußerst selten Kreuzotterbisse.

Informationen aus der Ostsee Zeitung v. 03.05.2013, aus der Sendung "Brisant" / ARD am 06.05.2013 und wikipedia